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Der leichtfertige Mann
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Manche Männer neigen dazu leichtfertig zu sein. Sie sagen ja, wenn es gut klingt, dazu passt oder den Selbstwert steigert. Einige Exemplare neigen gar dazu „ja“ sagen, wenn sie sie gefragt werden, ob sie auch aus einem Flugzeug springen würden. Aber ja doch. Wenn sich der Termin nähert wird Mann schon was Passendes einfallen es nicht tun zu müssen. Eines schönen Tages war es dann soweit. Mann ist nichts eingefallen, außer, seine Tasche zu packen, sich von seinem Kuschelbären zu verabschieden, die Blumen kräftig zu gießen um dann den Türschlüssel dreimal nach rechts zu drehen. Im Rückspiegel winken die verträumte Einbahnstraße mit den beiden Krähen auf der alten Schwarzkiefer. Es war eine schöne Zeit hier. Mann trifft sich mit anderen Leichtfertigen und alle gemeinsam reisen sie ins ferne Tschechien. Leicht fertig kommen sie in Plzen an. Die tschechische Schulbank erwartet bereits ihre deutschen Hinterbänkler. Der erste Abend vergeht mit flauer Aerodynamik im Magen. Dem langen Tag folgt eine noch längere, gar schlaflose Nacht. Mann steht Stunde für Stunde in luftiger Höhe an der windigen Tür eines Doppeldeckers und übt sich darin, leichtfertig hinauszuspringen. Als der Hahn kräht, hat Mann einen Entschluss gefasst. Mann wird springen.
Dem Hahn folgen die Dusche, das Frühstücksei und die Fahrt zum Flugplatz. Leicht fertig wird weiter gedrillt, geübt und abgerollt. Gegen Mittag des zweiten Tages wird erstmals durch die windige Tür des Doppeldeckers eingestiegen. Einträchtig sitzen die Leichtfertigen auf der hölzernen Bank und werden mit blassen Gesichtern in den Himmeln gehoben. Sehr bald ist die Absprunghöhe von 1200m erreicht. Den linken Fuß über die Kante, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, die Arme vor den Schoß. Der Türsteher fordert leichtfertig zum Gehen auf. Er schreit Mann für Mann sein "go" ins Ohr, haut leichtfertig auf die Schulter und Mann für Mann springt über seinen eigenen Schatten.
Draußen. Ein monotones Pfeifen des Windes steht in der Luft. Einzig das Gurtzeug hält Mann noch zusammen. Über ihm wölbt sich goldgelb der Schirm. Die Hände greifen leicht fertig nach den Steuergriffen. Mann fliegt. Mann ist übermannt. Er tut wie ihm geheißen, dreht den Schirm in den Wind, schaut bedächtig auf seinen Höhenmesser, fliegt bis zum anderen Ende der Startbahn und landet holprig aber sicher gegen den Wind. Mann ist ein leicht fertiger Held.
Mann steigt unten wieder ein und oben wieder aus um unten wieder ein- und oben wieder auszusteigen. Mann kämpft männlich gegen Leichtfertigkeit. Er kämpft und fliegt wie ein Mann. Leicht und fertig steht Mann am Abend auf der Landewiese, reckt seine Hände in den Himmel und bedankt sich bei Gott.
Joachim Milde 23.09.2009
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