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Der Gutemorgensonnenstrahl

 
 
Stürmende Nachtgedanken
 

 

Hallo Sternchen,

unerwartet, unverhofft wird mir eine gefüllte Schale der Sympathie gereicht. Danke, meine Liebe. Es war mir ein Vergnügen sie bis auf den Grund auszukosten.

 

Die Ankündigungen schwerer Unwetter haben die Abenteuerlust entfacht, das Herz an den höchsten Mast zu binden um in die Seele der Natur schauen zu können.

Inmitten buchenbewaldeter Bergkuppen der Rhön steht eine erfahrene, verschlafene Blockhütte. Ihre axtrohen massiven Spundwände, die eichene Holzbohlentür und das sturmgeplagte Schindeldach sind längst von der Natur adoptiert worden.

Durch die Ladenschlitze der kleinen Fenster wachsen die grauweißen Dolden der Holunder, verbreiten ihren vereinnahmenden selbstbewußten Geruch, erinnern an Großmutters Holundersekt.
Vor der Veranda erzählt eine Feuerstelle von kürzlich dagewesenen Besuchern. Der Hund sucht nach weggeworfenen Essensresten, seine schwarze Nase dicht über der Grasnarbe. Er ist vom Glück erfüllt, er ist für sein unbeschwertes Dasein zu beneiden.
Das alte Schloß gibt widerwillig den Weg frei, feuchtschwere stickig modrige Luft fällt uns entgegen. Im Raum ist es stocknacht. Die spärliche Möblierung besteht aus einer bretternen Holzbank und einem dreibeinigen Tisch mit ungehobelter Platte. Von einem Sims in der Ecke bilden Reste mehrerer ineinander verschmolzener Altarkerzen den Quell einer Stalagnitengrotte.

Das Tal öffnet sich nach Nordwest. In rascher Folge wechseln sich grauweiß bleierne Wolkenformationen mit düster blauschwarz verzerrten Bändern ab.

Grummeln tönt ans Ohr, verkündigt den nahenden Zorn der Winde, des Wassers und der peitschenden Kühle. An das Geländer der Treppe gelehnt, erhoffen wir die kraftvolle Sexualität mit der Natur. Die üppig geformten Buchen auf der gegenüberliegenden Anhöhe versprühen mit ihrer ausladenden Pracht den ganzen Stolz ihrer Weiblichkeit. Ein sanfter milchiger Schleier benetzt die äußere Bewegung der Blätter, eröffnet das sinnliche Vorspiel einer stürmischen Versprechung.
Eilends werden wir Voyeure zu unmittelbaren Beteiligten, vereinnahmt vom Niesel, entfacht vom vorwärts drängenden Gebläse rinnen erste Tropfen über die Nase zum Mund, fördern das Salz durch die leicht geöffneten Lippen auf die Zunge. Erste Blitze zucken und zappeln in der tiefen Schwärze des Waldes, begleitet vom ohrenbeteubenden Krachen des Monstrums, klagend, schallend, widerhallend aus dem Talkessel der Felda. Tosend stiebt der Sturm über die Wipfel, greift der Buche unter ihr Kleid, zerrt es hoch, umfaßt den Stamm quillt, schwillt, pustet und prustet tausende reifer Schmetterlinge aus ihrem Gewand.
Die Arme empor gestreckt reicht Gott seine Zehenspitze zum Kuß. Bereit zur Hingabe, bereit zur Aufnahme schlägt das Herz den gleichen Klang, stimmt ein in die Vorgabe, treibt den Kanon in die Höhe, treibt ihn voran um vor dem letzten Akkord zu verstummen.

Totenstille.
Mann und Hund sind auf den ausgetretenen Stufen des Vorbaus zurück. Durch die geschlossenen Lieder ist eine helle Wärme zu spüren. Über das Tal spannt sich die schillernde Krone des Schöpfers.

 

 

 

 

Der Gutenmorgensonnenstrahl

Achim E-Mail

 

 

 

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