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Was verbindet
mich mit ihr? Vor meiner Abreise dachte ich in der Hauptsache an gutes
Essen, an Assiette de Fruits de la Meer, an Calvados, an schäumende
Wellen, an Wattwanderungen, an die Erkundung der kleinen Geheimnisse französischer
Lebenskunst.
Auf dem Weg zur Küste reist man durch leicht hügeliches Weideland.
Wiesen und Koppeln wechseln sich mit Waldstücken und Heckenrainen
ab. Vereinzelt stehen weiße, oder gesprenkelte, gepunktete Kühe
wie übergroße Dalmatiner im kniehohen Gras. Das Hirn assoziiert
dieses Bild mit leckerem Käse. Die Grundstücke werden von bewachsenen
Steinmauern oder gebrechlichen Holzzäunen begrenzt. Bäume, Hecken
und Sträucher haben ihr Gesicht von der Küste abgewandt. Sie
fliehen vor dem Wind.
Riesige Wolkentürme
ziehen eilig landeinwärts. Dazwischen kräftiges dunkles Blau.
Rechts und links und immer wieder, tauchen Schilder auf. Deutscher Sodatenfriedhof,
Overlord, Bastille. Die Küste der Normandie ist ein lebendes Mahnmal.
Der Strand ist überladen von Bunkern. Alle paar hundert Meter ragen
Betonfestungen ihre Nase in Richtung England. Intakte und zerschossene
Bunker, Unterstände, halb zugewehte betonierte Schützengräben
mit verrosteten MG- Verankerungen. Aus den Ritzen wachsen Blumen. Efeu
rangt um die blutigen Stätten. In Einigen haben die Bauern ihr landwirtschftliches
Gerät untergestellt. Fahnen flattern allerorts, die der Berfreiten
und die der Befreier. All die Dinge, die wir verdrängt haben, zu
vergessen versuchen schlagen dem Deutschen wie eine eiskalte Welle übermächtiger
Schuldgefühle mitten ins Gesicht. Frisch rasierte Friedhöfe
mit abertausenden schnurgeraden schlohweißen Betonkreuzen sind Zeugnis
des Wahnsinns.
Erst nach Tagen fällt auf, noch keinem Deutschen begegnet zu sein.
In Aromanges erinnert ein Mahmal an den 6 Juni 1944 um 6.30Uhr. In einem
eigens errichteten 360° Kino läuft die Dokumentation der Ereignisse-
Overlord. Ohne Worte.
Die Städte
sind größtenteils zerstört worden. Einzig Bayeux mit ihren
wunderschönen mittelalterlichen Bürgerhäusern ist verschont
geblieben. In den großen Orte wie Le Havre, Caen oder Sherbourg
wurde jeglicher Charme zerbombt.
Die Tage
in der Normandie waren eine Reise in die lebendige Vergangenheit unserer
Großeltern.

Eine gute Woche mit kräftigem Start wünscht der Gutenmorgensonnenstrahl
03.06.2002
Achim
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