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Brauchen wir denn Gedichte?

Nein, liest diese Seiten nicht, wenn Ihr von Gedichten nichts anderes erwartet, als daß sie sich reimen! DENN das Leben, aufrichtig gelebt, reimt sich auch nicht: nicht auf die großen Worte, nicht auf die gereimten Gedichte, nicht einmal auf die kleinen Taten. Auch reimen sich nicht die Endsilben der Ursachen auf die Wirkungen. Warum also wollt Ihr daß ein Gedicht sich reimt?

Ihr wißt ja, das Leben ist ein Katz- und Mausspiel, bei dem wir meist die Mäuse spielen müssen.

Warum eigentlich? Ich glaube darum, weil wir den Mut verloren haben, den eigenen Gedanken und Gefühlen mehr zu trauen als den Gedanken und Gefühlen, die uns tagtäglich in den Zeitungen, im Radio und im Fernsehen serviert werden, schön garniert mit Musik oder angerührt mit Krimis oder Liebesgeschichten, um uns ganz sicher denkfaul und unkritisch zu machen.

Und jene, die uns den Gedankenbrei vorsetzen, brauchen ihn ja nicht auslöffeln. Sie sind ja nicht die Arbeitslosen, die Rentner, die Strafgefangenen. Sie sind die fetten Katzen und Eigenheimidealisten. Wir sind die Mäuse, wir haben gefälligst die Suppe auszulöffeln: ein Löffel (eine Million Arbeitslose) für die "gesunde Wirtschaft", ein Löffel für die Rentensanierung, ein Löffel für neue Neutronenbomben, ein Löffel dafür, daß die fetten Katzen noch fetter und übermütiger werden können.

Machen wir endlich Schluß mit diesem Katz- und Mausspiel, und ändern wir die Spielregeln! Denn das Leben ist unendlich mehr als man uns erlaubt. Dieses armselige Leben, das die meisten von uns leben müssen, ist nicht das Leben, sondern die Karrikatur des Lebens. Der Mensch lebt nur einmal! Aber die meisten von uns dürfen nicht einmal ein Mal leben.

Besinnen wir uns! Gehen wir zurück, denken wir zurück zu den Quellen!

Aber, wer zu den Quellen will, der muß gegen den Strom schwimmen. Es gibt keinen anderen Weg zur Quelle.

Und wer zu den Quellen des Lebens will, der muß wohl (oder übel) gegen den Strom leben. Was heißt das, gegen den Strom leben? Das heißt (für mich) gegen den Strom denken, gegen den Strom Nachrichten hören, gegen den Strom wählen, gegen den Strom lieben, gegen den Strom schreiben.

Diese Seiten sind gegen den Strom geschrieben. Und ich wünsche mir, daß meine gesammelten Texte, Gedichte und Geschichten auch die Euren werden. Ihr werdet keines dieser Texte hier lesen können, hoffe ich verwegen, ohne daß Du an Dich selbst erinnert wirst, an den, der Du sein willst und nicht bist (warum eigentlich nicht?) oder an den, der Du bist, aber nicht sein darfst oder nicht sein willst.

Und, bitte, vergesst nicht: das Gedicht ist nur eine Form der Kommunikation, eine von vielen möglichen Formen - für mich die tiefste, dichteste.


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